opfer mit täterstrategien
der prinz hat ja schon einmal zu diesem thema geschrieben, doch aus gegebenen anlass befasst er sich noch einmal mit einem besonderen untenrum-thema:

Lieber Olaf Alp,
der Prinz hat Ihre Mate, Heft 17, kaeuflich erworben, in einem Anfall ungewoehnlicher Sponanteitaet, denn erstens, ja, der junge Herr sieht schon ganz nett aus und zweitens liegen Dubai und Tel Aviv und Beirut auf der Zielgeraden prinzlicher Reisen. Auch wenn nicht viel drin stehen wird: duemmer wird man nicht und vielleicht ist ja mal so ein Magazin zur Abwechslung mal unterhaltsam, dachte sich der Prinz.
Falsch gedacht: geaergert hat er sich. Und zwar richtig. Gut, dass Werbung und Redaktion schon mal nicht ganz trennscharf sind, kennt man auch aus anderen Hochglanzmagazinen grosser Verlage. Die machen das unter Umstaenden ein klein wenig geschickter, aber was soll’s, das geht auch beim Prinzen im Community-Bonus unter.
Was aber so gar, gar, GAR nicht geht, ist Ihr verschwurbelter Artikel „ueber den repressiven Charakter der Aids-Praevention“ und dem infamen Titel „mein Arsch gehoert mir“. Abgesehen davon, dass Sie sich hier unzulaessiger Weise eines Slogans der Frauenbewegung bemaechtigen („Mein Bauch gehoert mir“): Der Arsch gehoert vielleicht Ihnen. Aber schon der Schwanz, der drinsteckt, nicht. (Um mal in Ihrem Duktus zu bleiben.)
Man koennte jetzt vortrefflich darueber streiten, ob die Schwulenbewegung, die ja Freiheit propagierte, richtig beraten gewesen ist, in der ersten Phase der Aids-Praevention Safer Sex als Norm etablieren zu wollen, und ob es denn im historischen Kontext einer deutlichen Freiheitsbedrohung einerseits (Gauweilers Internierungslager) und dem Bedarf einer Selbstorganisation angesichts dieses lebensgefaehrlichen Virus andererseits (Gay Men’s Health Crisis) andererseits ueberhaupt eine Alternative gegeben haette. Man koennte auch darueber sinnieren, ob es ein Erfolg oder ein Misserfolg ist, wenn 50% schwuler Maenner angeben, konsequent Safer Sex zu haben und dies mit anderen Kampagnen zu Verhaltensaenderungen vergleichen (z.B. fuenf- statt vierstellige Postleitzahlen, kein Alkohol am Steuer oder, um noch naeher am Thema zu bleiben, Nichtrauchen), und kann Ihnen hierzu sagen, dass 50% sowohl aus Kampagnensicht als auch schon epidemiologisch ein gar kein schlechter Wert sind, und man koennte dabei auch darueber reden, ob denn ueberhaupt die Befragten erstens die Wahrheit sagen (oder aus sozialem Konformitaetsstreben das vermeintlich Gewuenschte angeben) und zweitens wissen, was die Safer Sex-Regeln sind. Und ganz spannend waere auch die Diskussion darueber, ob die derzeitige Kommunikation ausreichend und zielfuehrend ist und ob der Duktus und die Kommunikationskanaele der Kampagne stimmen.
Gerne wuerde ich diese Diskussionen, die, wie man so schoen sagt, richtig und wichtig waeren, fuehren. Aber das eruebrigt sich alles, wenn man Ihren Artikel aufmerksam liest und erkennt, was die Forderung ist, die Sie da aufstellen:
Sie fordern einen individuellen Entscheidungsspielraum bei der Frage Safer Sex oder Barebacking. Oder, um noch mal Ihren Duktus der Headline aufzunehmen: um Ficken ohne Kondom, um Sperma schlucken und in den Arsch spritzen. (Ihr nachgeschobener letzter Absatz ist ein nachtraeglich hingemaltes Feigenblatt; Ihre Argumentationskette ist ein Absatz weiter oben schon abgeschlossen.)
Und das geht eben nicht. Jemand, der fahrlaessig oder vorsaetzlich sich oder jemand anderen infiziert, handelt verantwortungslos. Verantwortungslos gegenueber sich selbst, dem anderen und der Gemeinschaft. Oekonomisch betrachtet handelt der, der die falsche wie zynische Gleichung aufmacht, ob er lieber sich jetzt Kondome kauft und sie benutzt oder ob er sich spaeter von der Gemeinschaft die Medikamente bezahlen laesst und sie schluckt, mit fremden Geld. Moralisch betrachtet handelt er auch nicht auf eigene Rechnung, denn anders als die zu falschen Vergleichen hinzugezogenen Raucher, Trinker, Prasser, Autofahrer gehoeren zum unsafen Sex nun mal mindestens zwei Taeter, und so gefaehrdet ein Barebacker nicht nur sich und den jeweils anderen, sondern, da es sich ja um ein Virus handelt, auch wiederum all die Kontakte seiner Kontakte. (Und selbst beim Trinken und Rauchen gibt es nicht ohne Grund restriktive Gesetze und Krankenversicherungsregelungen.)
Die Frage nach Safer Sex ist eben keine individuelle Entscheidung, sondern kollektive Verantwortung. Und wer sich oder jemand anderen fahrlaessig oder vorsaetzlich mit HIV infiziert, handelt nicht nur sich und dem Anderen gegenueber verantwortungslos, sondern auch der Gemeinschaft gegenueber. Durch weiteres Leid, weitere Gefaehrdungen, weitere Infektionen, weitere Gesundheitskosten.
Erschuetternd in diesem Kontext ist Ihre Formulierung „abgesehen davon, dass in den meisten Teilen der Welt mangels Therapiemoeglichkeiten nur das Kondom schuetzt“. Hier raeumen Sie Praevention und Therapie nicht nur gleichwertige Positionen ein (Kondom jetzt oder Medikamente spaeter), sondern verwischen den fundamentalen Unterschied: Schutz bietet naemlich ausschliesslich Safer Sex. Eine Therapie hingegen lindert im besten Fall die Folgen nicht erfolgten Schutzes fuer den Infizierten.
Indem Sie aber den Unterschied von Praevention und Therapie verwischen, entledigen Sie sich auch des Begriffs der Verantwortung. Es ist die Verantwortung eines jeden Einzelnen, sich und andere zu schuetzen. Es ist die Verantwortung der Gemeinschaft denjenigen, die Hilfe benoetigen, diese zu gewaehren. Jene aber, die wissentlich sich und andere gefaehrden, koennen nicht die Kosten (insgesamt hoehere Infektionsgefahr, hoehere Gesundheitskosten) sozialisieren, den vermeintlichen Nutzen (Verzicht auf Safer Sex) hingegen privatisieren. Das ist Schmarotzertum. Da werden aus vermeintlichen Opfern Taeter. Und darueber kann es keinen individuellen Entscheidungsspielraum geben.

Lieber Olaf Alp,
der Prinz hat Ihre Mate, Heft 17, kaeuflich erworben, in einem Anfall ungewoehnlicher Sponanteitaet, denn erstens, ja, der junge Herr sieht schon ganz nett aus und zweitens liegen Dubai und Tel Aviv und Beirut auf der Zielgeraden prinzlicher Reisen. Auch wenn nicht viel drin stehen wird: duemmer wird man nicht und vielleicht ist ja mal so ein Magazin zur Abwechslung mal unterhaltsam, dachte sich der Prinz.
Falsch gedacht: geaergert hat er sich. Und zwar richtig. Gut, dass Werbung und Redaktion schon mal nicht ganz trennscharf sind, kennt man auch aus anderen Hochglanzmagazinen grosser Verlage. Die machen das unter Umstaenden ein klein wenig geschickter, aber was soll’s, das geht auch beim Prinzen im Community-Bonus unter.
Was aber so gar, gar, GAR nicht geht, ist Ihr verschwurbelter Artikel „ueber den repressiven Charakter der Aids-Praevention“ und dem infamen Titel „mein Arsch gehoert mir“. Abgesehen davon, dass Sie sich hier unzulaessiger Weise eines Slogans der Frauenbewegung bemaechtigen („Mein Bauch gehoert mir“): Der Arsch gehoert vielleicht Ihnen. Aber schon der Schwanz, der drinsteckt, nicht. (Um mal in Ihrem Duktus zu bleiben.)
Man koennte jetzt vortrefflich darueber streiten, ob die Schwulenbewegung, die ja Freiheit propagierte, richtig beraten gewesen ist, in der ersten Phase der Aids-Praevention Safer Sex als Norm etablieren zu wollen, und ob es denn im historischen Kontext einer deutlichen Freiheitsbedrohung einerseits (Gauweilers Internierungslager) und dem Bedarf einer Selbstorganisation angesichts dieses lebensgefaehrlichen Virus andererseits (Gay Men’s Health Crisis) andererseits ueberhaupt eine Alternative gegeben haette. Man koennte auch darueber sinnieren, ob es ein Erfolg oder ein Misserfolg ist, wenn 50% schwuler Maenner angeben, konsequent Safer Sex zu haben und dies mit anderen Kampagnen zu Verhaltensaenderungen vergleichen (z.B. fuenf- statt vierstellige Postleitzahlen, kein Alkohol am Steuer oder, um noch naeher am Thema zu bleiben, Nichtrauchen), und kann Ihnen hierzu sagen, dass 50% sowohl aus Kampagnensicht als auch schon epidemiologisch ein gar kein schlechter Wert sind, und man koennte dabei auch darueber reden, ob denn ueberhaupt die Befragten erstens die Wahrheit sagen (oder aus sozialem Konformitaetsstreben das vermeintlich Gewuenschte angeben) und zweitens wissen, was die Safer Sex-Regeln sind. Und ganz spannend waere auch die Diskussion darueber, ob die derzeitige Kommunikation ausreichend und zielfuehrend ist und ob der Duktus und die Kommunikationskanaele der Kampagne stimmen.
Gerne wuerde ich diese Diskussionen, die, wie man so schoen sagt, richtig und wichtig waeren, fuehren. Aber das eruebrigt sich alles, wenn man Ihren Artikel aufmerksam liest und erkennt, was die Forderung ist, die Sie da aufstellen:
Sie fordern einen individuellen Entscheidungsspielraum bei der Frage Safer Sex oder Barebacking. Oder, um noch mal Ihren Duktus der Headline aufzunehmen: um Ficken ohne Kondom, um Sperma schlucken und in den Arsch spritzen. (Ihr nachgeschobener letzter Absatz ist ein nachtraeglich hingemaltes Feigenblatt; Ihre Argumentationskette ist ein Absatz weiter oben schon abgeschlossen.)
Und das geht eben nicht. Jemand, der fahrlaessig oder vorsaetzlich sich oder jemand anderen infiziert, handelt verantwortungslos. Verantwortungslos gegenueber sich selbst, dem anderen und der Gemeinschaft. Oekonomisch betrachtet handelt der, der die falsche wie zynische Gleichung aufmacht, ob er lieber sich jetzt Kondome kauft und sie benutzt oder ob er sich spaeter von der Gemeinschaft die Medikamente bezahlen laesst und sie schluckt, mit fremden Geld. Moralisch betrachtet handelt er auch nicht auf eigene Rechnung, denn anders als die zu falschen Vergleichen hinzugezogenen Raucher, Trinker, Prasser, Autofahrer gehoeren zum unsafen Sex nun mal mindestens zwei Taeter, und so gefaehrdet ein Barebacker nicht nur sich und den jeweils anderen, sondern, da es sich ja um ein Virus handelt, auch wiederum all die Kontakte seiner Kontakte. (Und selbst beim Trinken und Rauchen gibt es nicht ohne Grund restriktive Gesetze und Krankenversicherungsregelungen.)
Die Frage nach Safer Sex ist eben keine individuelle Entscheidung, sondern kollektive Verantwortung. Und wer sich oder jemand anderen fahrlaessig oder vorsaetzlich mit HIV infiziert, handelt nicht nur sich und dem Anderen gegenueber verantwortungslos, sondern auch der Gemeinschaft gegenueber. Durch weiteres Leid, weitere Gefaehrdungen, weitere Infektionen, weitere Gesundheitskosten.
Erschuetternd in diesem Kontext ist Ihre Formulierung „abgesehen davon, dass in den meisten Teilen der Welt mangels Therapiemoeglichkeiten nur das Kondom schuetzt“. Hier raeumen Sie Praevention und Therapie nicht nur gleichwertige Positionen ein (Kondom jetzt oder Medikamente spaeter), sondern verwischen den fundamentalen Unterschied: Schutz bietet naemlich ausschliesslich Safer Sex. Eine Therapie hingegen lindert im besten Fall die Folgen nicht erfolgten Schutzes fuer den Infizierten.
Indem Sie aber den Unterschied von Praevention und Therapie verwischen, entledigen Sie sich auch des Begriffs der Verantwortung. Es ist die Verantwortung eines jeden Einzelnen, sich und andere zu schuetzen. Es ist die Verantwortung der Gemeinschaft denjenigen, die Hilfe benoetigen, diese zu gewaehren. Jene aber, die wissentlich sich und andere gefaehrden, koennen nicht die Kosten (insgesamt hoehere Infektionsgefahr, hoehere Gesundheitskosten) sozialisieren, den vermeintlichen Nutzen (Verzicht auf Safer Sex) hingegen privatisieren. Das ist Schmarotzertum. Da werden aus vermeintlichen Opfern Taeter. Und darueber kann es keinen individuellen Entscheidungsspielraum geben.
raketenprinz - 26. Jan, 17:00
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