Der jugendliche Liebhaber.

Marc* hat ihn. Harald hat ihn. Und auch Hans hat ihn. Andreas hat ihn schon lange. Und der prinzliche Leibarzt Adam hat ihn offenbar auch. Manfred ist ein Veteran auf dem Gebiet. Und von Robert weiß man auch so einiges. Und ja: auch der Prinz hat schon einschlägige Erfahrungen gesammelt.
Er liegt also eindeutig im Trend: der jugendliche Liebhaber.
Männer um die Vierzig (und plus) werden gehäuft mit Männern Mitte Zwanzig gesichtet. Wobei „gesichtet“ irreführend ist: oft beschränken sich die wiederholten Begegnungen auf das Bett. Und diese Konzentration auf das Wesentliche erfolgt wohlgemerkt, und dies mag Sie, werte Leserin und werter Leser, wahrscheinlich ebenso ungläubig erstaunen lassen wie anfangs den Prinzen, auf Wunsch des Jüngeren.
Es ist nicht der alte, geifernde Bock, der dem jungen, zarten Gemüse nachstellt und es sich über allerlei Vorteilsgewährung gefügig hält. Und es ist auch nicht so, dass diese frisch knospenden Pflänzchen nach Lebenserfahrung, Weisheit und Führung darben und die einhergehende Proximität welken Fleisches als notwendiges Übel in Kauf nehmen. Nein, werte Leserschaft: so Sie denn nicht selbst in einschlägigen Kreisen verkehren, beispielsweise dem Blauen Salon, so sei Ihnen von Dingen berichtet, die dem Prinz höchstselbst widerfuhren: Fesche, knackige Männer, und man muss es so drastisch formulieren, reißen mit Vorliebe ältere Herren auf.
Als die Frau Königin Mutter kürzlich durch eine gezielte Indiskretion der unmittelbaren Umgebung des Prinzen von eben einer solchen Begebenheit erfuhr, schwieg sie erst, hob dann eine Augenbraue und kommentierte schließlich: „Männer unter fünfzig sind doch langweilig.“
Darauf ist nur zu sagen, dass erstens auch ein über 50jähriger Liebhaber des Prinzen bei Frau Königin Mutter wohl zu gehobenen Augenbrauen führen würde. Und dass zweitens es hier ja, wie eingangs berichtet, um Sex geht. Und dass feste, sportliche Körper, jugendliche Ausdauer und Begeisterung durchaus von Vorteil sein können.
Dennoch wäre es verkürzt, nur auf das Fleischliche einzugehen: diese Geschöpfe mit der Pfirsichhaut, den wachen, blitzenden Augen und der schier unerschöpflichen Virilität geben mitunter auch ganz hervorragende Gesprächspartner ab. Zumindest dann, wenn man einen leichten Hang zum Dozieren hat, wie dem Prinz mitunter bescheinigt wird, und das Gegenüber an den Lippen hängt. Charme und Intelligenz versprühen ohnehin die meisten dieser Jungs.
Die Frage jedoch bleibt: wie kommt es zu dieser Bedürfnisverschiebung? Wieso wird der Wunsch des Älteren nach einer gemeinsamen Wochenendreise oder sonstiger Freizeitaktivitäten mit den Worten: „Just sex, please.“ abschlägig beschieden? Die Primärvermutung wäre ja gegenteilig: Jung will Geist und Alt giert nach Fleisch.
Die Antwort, und dies stellt nur eine These zur Diskussion dar, steht seit einigen Jahren in den Gesichtern geschrieben: der Bart. Der Trend, nicht mehr glatt wie Kind im Gesicht, sondern behaart wie Papa durch die Gegend zu laufen, führte zu einer langsamen, aber sicheren Verschiebung des Schönheitsideals. Und zwar ausnahmsweise mal die Altersskala hinauf, und nicht hinunter. Nicht mehr die Grenze von Adoleszenz und Pubertät zu Wachstumsstopp markiert gemeinhin den Zeitpunkt besten Paarungsalters, sondern die Zeichen des Mannestums, der Reife, der Übergang zu dem Alter, bei dem außer Frage steht, dass es dem Erwachsenen zugeordnet werden muss. Indiz für diesen Umstand ist auch die bei Junghomos ungebrochene Popularität der Radio1-T-shirts mit dem Claim „Nur für Erwachsene“.
Wir alten Männer müssen uns eingestehen: wir sind im hohen Alter noch einmal das geworden, was wir schon früher einmal waren (oder hätten sein können): Sex toys. Nur nicht mehr für die damalige 40+-Generation. Sondern heute eben unter verkehrten Vorzeichen.
Der Leibarzt meinte kürzlich: „Ich bin gerade 40 geworden. Soviel Sex wie heute hatte ich noch nie.“ Und der Prinz entgegnete: „Ist es nicht phantastisch, dass wir heute leben und nicht vor fünfzehn Jahren vierzig Jahre alt waren?“
*alle Namen von der Redaktion geändert.
raketenprinz - 5. Okt, 00:20
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