schon GEZahlt, Drama in fünf Akten

Donnerstag, 15. Juni 2006

Gebühreneinzugszentrale, Epilog

Dangerous kontaktiert den Prinzen: Er habe sich doch unter Mühen, aber letztlich erfolgreich bei der GEZ ehedem abgemeldet. Gäbe es da Tipps? Er würde schon seit über einem Jahr doppelt zahlen, obwohl er nur noch eine Wohnung (und entsprechend ein Rundfunkempfangsgerät) unterhielte… Worauf denn so zu achten wäre?

Der Prinz schätzt, dass es deutlich werden muss, dass tatsächlich kein entsprechendes Gerät bereitgehalten wird. Dies solle Dangerous doch u.U. separat noch einmal darlegen, ausführlich, keine Fragen offen lassend. Und unter allen Umständen den Namen des Prinzens nicht erwähnen.

Zwei Wochen später klingelt der Fernsprecher erneut. Schnauben statt Sprache am anderen Ende der Leitung: "Noch nie, NOCH NIE wurde ich so rüpelhaft, herablassend und unverschämt behandelt! Die schreiben, sie würden die Abmeldung nicht durchführen. Einfach so! Und als ich da anrufe, ist da so ein Schnösel dran der ohne Umstände meine Glaubwürdigkeit und Ehrhaftigkeit in Zweifel zieht. Und als ich gerade anheben möchte, legt dieses Arschloch (zensiert) einfach auf!!! Ich bin SOO geladen!!! …"

History repeating. Heute klingelte die GEZ an des Prinzens Tür.

Montag, 5. Juni 2006

Gebühreneinzugszentrale, Katastrophe oder Dénouement

Der Prinz rüstet zur finalen Schlacht.

1. Schritt: Verbündete suchen.
Wer ist der Feind der GEZ? Der ist des Prinzens Freund. Ungeachtet des Prinzens Grundsatz (wer sich mit Schmutz befasst, macht sich dreckig) werden so jäh die Privatsender des Prinzens Alliierte. Was soll's? Krieg ist immer schmutzig.

2. Schritt: Waffen auswählen.
Was scheut die GEZ? Öffentlichkeit. Trotz mannigfaltiger Korrespondenz hat die GEZ sich namentlich noch mit keinem ihrer Vasallen zu erkennen gegeben. Immer nur die Trutzburg GEZ. (Zu gerne hätte er einen Abgesandten des Hauses leibhaftig in die Finger bekommen.) Also ein Brief an die Alliierten aufgesetzt, denn Fall geschildert und Angebot exklusiver Berichterstattung. Und, damit es nicht nur der GEZ, sondern auch dem Lehnsherrn Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk schmerzt, auch an eine ehrwürdige Wochenzeitung.

3. Schritt: Plan B entwickeln.
Manche nennen es Guerilla, andere Terror. Dem Prinzen ist es egal. Sollte der Prinz sein Reich nicht verteidigen können, dann sollen eher beide untergehen. Verbrannte Erde. Er prüft die Flugverbindungen nach Köln und die max. Zahl von Pflastersteinen, die noch als Handgepäck gelten. Sicherlich hat die GEZ ein Bürogebäude. Mit Glasfront. Straffälligkeit hat keine Abschreckung mehr. Die GEZ will Beweise? Bitte sehr.

4. Schritt: Ritterehre.
Auch dem schurkigsten Schurken soll noch eine letzte Chance gegeben werden, bevor entweder er oder beide vernichtet werden. Also eine Depesche an den Feind abgesetzt, mit Rückschein. Und ihm ein Ultimatum gesetzt, die Instrumente gezeigt: Die Alliierten sind namentlich identifiziert, die entsprechenden Schreiben aufgesetzt, aber noch nicht abgesandt. Flugverbindungen in das Land des Feindes gibt es ausreichend.




10.08.2005

Sehr geehrter Raketenprinz,

Ihr Teilnehmerkonto haben wir mit Ablauf des Monats 11.2004 abgemeldet.

Denken Sie daran: ohne erneute Anmeldung besteht keine Berechtigung, Geräte bereitzuhalten, die zum Empfang von Rundfunksendungen geeignet sind. Dazu gehören…


Sieg? Nein. Waffenstillstand, vielleicht.

Samstag, 3. Juni 2006

Gebühreneinzugszentrale, Retardation

Offenbar legt es die GEZ auf Zermürbung an: wenn sie es nur lange genug behauptet, dann glaubt der Prinz auch irgendwann, dass er empfangsbereite und damit auch gebührenpflichtige Rundfunkgeräte unterhält.

Nun, nicht mit ihm, denkt der Prinz sich. Wenn die GEZ sich der Realität verweigert, verweigert sich der Prinz künftig der GEZ. Und ignoriert seinerseits einfach das Gebührenschreiben. Und das nächste auch, indem er dieses ungeöffnet mit dem Hinweis "Empfang verweigert" in den nächsten Briefkasten wird. Und das nächste Schreiben auch. Und das übernächste. Dann passiert eine Weile lang nichts.

Der Prinz atmet auf. Sollte die Posse ein Ende haben? Oder die GEZ gar Einsicht? Immerhin sind seit dem Erstkontakt nunmehr acht Monate vergangen. Der Prinz liebt sein fernsehfreies und nunmehr auch GEZfreies Leben. Mehr Lesen, mehr Freunde, weniger Unzufriedenheit werden als angenehme Nebenwirkung verzeichnet. Fehlt was? Gar nichts. Gute Filme gibt's im Kino. Oder auf DVD. Nachrichten und Reportagen? Bücher und Magazine sind die Antwort.

Das nächste Schreiben sieht irgendwie anders aus. Neben allerlei Kästchen und Zahlen auf dem Umschlagt prangt dort auch in 24-Punkt-Schrift: Förmliche Zustellung. ??? Was ist das?

foermliche-zustellung

Das ist das: "Eine "Förmliche Zustellung" (auch Postzustellauftrag - PZA) bezeichnet ein Schriftstück mit öffentlicher Beweiskraft. Durch den PZA werden u.a. amtliche Beweisstücke nach den Vorschriften der Zivilprozessverordnung (ZPO) zugestellt." Aha.

Die GEZ hat sich also brieflich Zutritt zu des Prinzens Reich verschafft. Quasi Einbruch, Übergriff. Ein amtliches Beweisstück geschaffen.
Der Prinz hingegen schafft mit seinen unzähligen Anrufen, e-mails, ordentlich ausgefüllten Formularen und Briefen gar nichts. Offenbar und im wahrsten Sinne Ohnmacht, selbst im eigenen Reich.

Und das erste Mal erfasst den sonst so gefassten Prinzen rasende Wut: Warum dürfen die, was sonst nur Gerichte dürfen? Wieso liefert der Staat seine Bürger diesem rüpelhaften Inkassokommando schutzlos aus?

Die GEZ hat den Krieg erklärt. Der Staat springt ihr willfährig zur Seite. Der Prinz nimmt an.

Donnerstag, 1. Juni 2006

Gebühreneinzugszentrale, Peripetie

"Sie melden Ihre Rundfunkgeräte ab. Die Abmeldung haben wir nicht durchgeführt" lauten die ersten Zeilen des Schreibens. Das ist trocken.

Der Prinz prüft das Datum – nein, es ist nicht der 1. April – und denkt das erste Mal im Verlauf dieser Geschichte an Kafka.

kafka

Was tun? Nun sind ja offizielle Stellen bekannt für Verkomplizierungen und Verzögerungen: unter Zuhilfenahme allerlei Vorschriften, Anweisungen und Bestimmungen geht erst Dieses nicht und dann Jenes und widersprüchliche Ergebnisse sind nicht selten. Aber bei aller Unbill, die dem Prinzen schon widerfahren ist: schlichte Verweigerung war ihm bis dato unbekannt. Und bei Lichte besehen: die GEZ verweigerte sich noch nicht einmal, sie gab bekannt.

Man stelle sich Ähnliches vor: "Nein, Sie ziehen nicht um, unseres Ermessens nach wohnen Sie doch sehr schön jetzt. Wir melden Sie nicht um" wäre eine ähnlich absurde Auskunft der Einwohnermeldebehörde. Oder wie würde man auf folgende Information am Postschalter reagieren? "Wir haben Ihren letzten Brief an Ihren Studienfreund an Ihre Mutter geschickt. Sie wartet schon so lange auf Post von Ihnen. Das macht zwei Euro fünfzig Porto plus 15 Euro Bearbeitungsgebühr wg. falscher Adressierung."

Nun also keine Abmeldung. Warum? Auch eine GEZ kann sich doch dem Charme der Logik nicht verschließen, dass unvorhandene Geräte ungebührenpflichtig sind?

Verräterisch: das Possessivpronomen im ersten Satz "Ihre". Unvorhandene Geräte werden gemeinhin ja auch nicht besessen. Sollte die GEZ trotz eindeutiger Erläuterung im Brief und entsprechener förmlicher Bestätigung im später zugesandten Formular davon ausgehen, dass ich noch im Besitz empfangsbereiter Rundfunkgeräte bin?

Der Prinz greift zum Hörer des Fernsprechers und wählt die gebührenpflichtige Servicenummer. Doch die fernmündliche Erreichbarkeit der GEZ hat sich in der Zwischenzeit nicht wesentlich verbessert, sodass der Prinz zur Feder wiederum einen Brief verfasst und auf die Unvorhandenheit jeglicher Rundfunkgeräte in des Prinzens Haushalt hinweist. Und da er diese leidige Angelegenheit nun doch wirklich abschließen möchte, weist er darauf hin, dass er mit diesem Schreiben, der Zusendung des entsprechend ausgefüllten Formulars und des ersten Briefes nun der Ansicht sei, nunmehr seine Schuldigkeit im Zuge der Lösung des Vertragsbeziehung getan zu haben und die Angelegenheit als erledigt ansieht.

Das nächste Schreiben der GEZ: eine Rechnung für aufgelaufene Gebühren samt Verzugszinsen. Kein Bezug auf den letzten Schriftwechsel. Aber ein wenig feine Ironie: "Durch Ihre unregelmäßigen Gebührenzahlungen in den letzten Zahlungszeiträumen sind Ihnen unnötige Kosten entstanden, die Sie durch pünktliche Zahlung hätten vermeiden können."

Gebühreneinzugszentrale, Komplikation

Nach der ersten Enttäuschung, dass die GEZ Abmelden als offenbar nicht unterstützenswertes Unterfangen ansieht, gibt der Prinz aber nicht auf und greift zum altbewährten Telefon.

Das scheint der Rest der Republik allerdings auch zu machen: die Rufnummer ist besetzt. Gut, es ist Mittagszeit, da sind die Damen und Herren der GEZ vielleicht selbst zu Tisch während die abmeldewillige Minderheit der Republik rücksichtslos mit ihrem Begehr die Leitungen verstopft. Doch eine Stunde später: besetzt. Am Nachmittag ebenso wie auch am frühen Abend. Am nächsten Morgen das gleiche Bild. Und so bleibt trotz eifrigen Bemühens die Erledigung unerledigt.

Da zu diesem Zeitpunkt der Prinz noch in Lohn und Brot steht und er echt keine Zeit hat, sich zu einer Bankfiliale zu bemühen und so einen Vordruck zu besorgen – zumindest das letzte Mal, als der Prinz noch höchstselbst eine Filiale betreten hatte, so ca. 1998, gab's da diese Vordrucke, oder? – versucht er noch einmal sein Glück auf der Website. Und siehe da: im Impressum findet sich eine e-mail-Adresse. An diese richtet er sein Anliegen und freut sich angesichts eines bald abzuhakenden Items auf seiner Erledigungsdinge auf baldige Post.

Eine Woche später: keine Reaktion.

Zwei Wochen später: nichts. Der Prinz versucht es noch einmal – vergeblich – unter der gebührenpflichtigen Service-Nummer.

Drei Wochen später: Schweigen. Unruhe beim Prinzen. Und der Entschluss, es doch einmal zu probieren, dieses Mal jedoch in Form klassischen Postverkehrs. Die GEZ sitzt also in Köln. Aha.

Also einen Brief an die sehr geehrten Damen und Herren abgesetzt mit der Erklärung, dass aufgrund der eingetretenen Unvorhandenheit eines Rundfunkapparates in des Prinzens Gemächern er diesen Umstand doch auch gerne bei der GEZ anzeigen möchte. Und sollte dies durch dieses Schreiben nicht in der bereits notwendigen Form erfolgt sein, so bittet er um alsbaldige Zusendung des entsprechenden Formulars.

Eine Woche später hat der Prinz Post. Natürlich reichte die schriftliche Erklärung nicht. Mitnichten: der Prinz wird aufgeklärt, dass die GEZ ihm hiermit zwar das gewünschte Formular aushändige, jedoch ihn davor warne, dieses auch auszufüllen und abzusenden. Besonders, wenn noch ein Rundfunkgerät empfangsbereit gehalten würde. Und "empfangsbereit halten" wäre ein sehr umfassender Begriff, der im weiteren Verlauf auch ausführlich beschrieben werde. Unter anderem wäre es auch unerheblich, ob sich dieses überhaupt in der Nähe einer notwendigen Stromzufuhr befände und gänzlich egal wäre es der GEZ auch, ob der Rundfunkteilnehmer überhaupt jemals in den Genuss öffentlich-rechtlicher Grundversorgung gekommen sei.

Da jedoch GAR KEIN Rundfunkgerät, empfangsbereit oder nicht, zugegen ist, nimmt der Prinz seinen Mut zusammen und füllt das verbotene Formular aus, steckt es in einen ausreichend frankierten Umschlag und überlässt ihn der Deutschen Post, auf dass diese ihrem dadurch erteilten Auftrag genüge tue.

Und siehe da, eine Woche später hat der Prinz wieder Post. Wieder von der GEZ. Sicherlich eine Abmeldungsbestätigung, denkt sich der Prinz, und öffnet den Umschlag. Doch...

Dienstag, 30. Mai 2006

Gebühreneinzugszentrale, Exposition

Was fehlt hier?

GEZ

Richtig: die Funktion "Abmelden". Was dem Prinzen anfänglich als nachlässig programmierte Website schien, war im Rückblick ein Zeichen. Doch das Drama soll von Beginn an berichtet werden:

Der Prinz erwirbt in jungen Jahren ein audiovisuelles Rundfunkempfangsgerät. Als angehender Politologe, der standesgemäß alles Kommerzielle mit gebührendem Argwohn besieht, und im Öffentlichen und auch Rechtlichen das Gute immanent vermutet, meldet er sogleich eilfertig diesen Umstand bei der GEZ. Und ist mithin offizieller Rundfunkteilnehmer.

Etliche Jahre ziehen ins Land. Faxgeräte haben ihren Zenith schon wieder überwunden, aus zwei Staaten wurde einer, andernorts wurden aus einem derer viele, und Blaupunkt stellt schon lange keine TV-Geräte mehr her.

Und der Prinz? Der sieht kaum noch fern. Das Dargebotene ist ihm doch zu abgeschmackt. Und, gemäß der Regel, dass nur Erwartungen und Lieben enttäuscht werden können, betrübt ihn vor allem das ehemals heiß verteidigte Programm der Sender, die gemeinhin auf den Knöpfen 1 und 2 der Fernbedienung ihr zuhause finden.

Als einer Freundins Fernseher unter der Dauerbelastung im nämlichen Haushalt zusammenbricht, ergreift der Prinz die Chance und schiebt den seinigen ab. Und nennt fürderhin kein Rundfunksempfangsgerät mehr sein eigen.

Diesen Umstand gedenkt er nun der GEZ zu melden, der er so viele Jahre treu den stetig steigenden Obulus entrichtet hatte. Doch, siehe oben, was als dem Prinzen als einfache Handlung untergeordneter Bedeutung schien, erweist sich weiteren Verlauf als eher langwieriges Unterfangen und wird den Prinzen an den Rand der Legalität führen. Doch es beginnt einfach damit: auf der Website werden Unterlagen zur An- und Ummeldung feilgeboten, allein, ein Abmeldeformular gibt es nicht...

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